Adornos prägnante Aussage, "wir mögen nicht wissen, […] was […]
das Menschliche und die Humanität sei, aber was das Unmenschliche
ist, das wissen wir sehr genau", hinterlässt den Eindruck, seine
Philosophie beinhalte keine anthropologischen Prämissen und eine
wahre Kenntnis über das Menschsein dürfe sich nur in der
Auseinandersetzung mit bestehenden Missständen entfalten. Die
vorliegende Arbeit stellt eine Erwiderung auf das Adorno seit langem
unterstellte Theoriedefizit dar. Von einer psychoanalytischen
Interpretation des "Leidens" ausgehend rekonstruiert die Autorin einen
bislang ignorierten anthropologischen Ansatz Adornos, der mit seinem
eigenen Ausdruck als "Denkpsychologie" bezeichnet werden kann. In dem
Bezugsahmen der Denkpsychologie zeigt sich, dass Adorno sämtliche
geistigen Operationen als unbewusste mentale Vorgänge betrachtet: Sei
es das normative Urteil, seien es die intersubjektive Kommunikation
oder die sinnliche Wahrnehmung– alle diese Formen der Rationalität
setzen das gleichermaßen rezeptive wie triebhafte Wesen der Psyche
voraus. Der an der Psychoanalyse orientierte erkenntnis-psychologische
Ansatz eröffnet somit eine verborgene Innenperspektive, die in
sämtliche Aspekte von Adornos Philosophie zurückwirkt.
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Adornos Beitrag zu einer "Denkpsychologie"
Product details
ISBN
9783110642360
Published
2022
Edition
1. edition
Publisher
De Gruyter
Language
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
Author