Mit Bezug auf Greimas’ narrative Semiotik und die
Kognitionswissenschaft entwickelt Richter seine Theorie des
„narrativen Urteils“ als Kernstück „narrativer
Problemverhandlung“. Eine Erzählung von Erfolg oder Misserfolg
eines Handelns stellt ein kontingentes Geschehen dar, fällt aber
damit oft gleichzeitig ein Urteil im Namen einer Ordnung, einer
Ideologie: Das Gute wird belohnt, das Böse bestraft. Diese Fähigkeit
des Erzählens, die Kontingenz des erzählten Einzelnen exemplarisch
zu überschreiten oder zu verschleiern, ermöglicht auch die narrative
Verhandlung theoretischer Probleme, die im Rahmen der Argumentation
unlösbar scheinen. Ausführliche Analysen zweier solcher
Problemverhandlungen, des Hiobproblems im Buch Hiob des AT sowie des
Theodizeeproblems bei Leibniz, Voltaire, Linné und Kant, zeichnen
nach, wie die analoge Projektion einer Erzählstruktur auf die
jeweilige Problemkonstellation die Darstellung von Lösungen erlaubt,
die innerhalb einer Argumentation willkürliche Setzungen bleiben
müssen. Narrative Problemverhandlung kann damit widerstreitende
Perspektiven vermitteln und neue Lösungswege zeigen, aber auch
willkürliche Urteile zugunsten einer Perspektive rhetorisch zu
legitimieren versuchen.
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Erzählerische Problemverhandlungen von Hiob bis Kant
Produktdetaljer
ISBN
9783110206586
Publisert
2015
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
Språk
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
Forfatter