Das zwischen 161 und 168 n. Chr. in Smyrna entstandene Martyrium
Polycarpi, der erste Martyriumsbericht des frühen Christentums, fand
Eingang in Eusebs Kirchengeschichte und wurde um 400 zusammen mit dem
Pioniusmartyrium (ca. 250-260) in das von Ps.-Pionius redigierte
Corpus Polycarpianum aufgenommen. Vor allem über das
Polykarpmartyrium herrscht ein jahrhundertealter Streit. Die einen
halten den Text für einen unmittelbaren Augenzeugenbericht, andere
für eine nach der Passio Christi stilisierte Erbauungsschrift aus der
2. Hälfte des 3. Jh.s; wieder andere rechnen mit einem authentischen
Kern, um den sich im Laufe der Überlieferung verschiedene
Redaktionsschichten gelegt haben, die mit unseren Mitteln nicht mehr
abzutragen seien. Eben dies ist in den hier vorgelegten kritischen
Editionen erstmals gelungen: Vornehmlich durch Einbeziehung
altarmenischer Übersetzungen wurden aus den Griechischtexten
doppelter Länge die ursprünglichen Kurzfassungen wiedergewonnen. Den
Abschluß des ersten Bandes bildet die erste kritische Edition (mit
deutscher Übersetzung) der spätlateinischen Passio Pionii (um 450).
Band 2 legt das Fundament für die kritischen Editionen des ersten
Bandes. Der Versuch, das kirchenhistorisch zentrale Datum des
Polykarpmartyriums zu bestimmen und die Frage nach der Echtheit der
Ignatius-Partien in Polykarps Philipperbrief zu klären, macht eine
Überprüfung der Textgeschichte beider Martyrien unausweichlich. Es
erweisen sich alle kalendarischen Angaben der griechischen
Handschriften und die dort mitgeteilten Namen des Asiarchen und
Prokonsuls als interpoliert. Durch Vergleich der griechischen,
lateinischen, altarmenischen, koptischen und altslavischen Versionen
(ggf. einschließlich derer Eusebs) gelingt es, die
Interpolationsschichten der Langfassungen beider Martyrien abzutragen
und erstmals die ursprünglichen Kurzfassungen wiederzugewinnen. Beide
Martyrien waren Bestandteile des von Ps.-Pionius um 400 redigierten
Corpus Polycarpianum, ebenso Polykarps Philipperbrief mit der
eingeschwärzten Verankerung der Ignatiusbriefe und dem umstrittenen
Handlungsrahmen. Auch dieser kann dem Redaktor Ps.-Pionius
zugeschrieben werden, der wahrscheinlich um 390/393 dem
Ignatiusenkomion des Chrysostomus (nach 386, vor 392) die Acta Ignatii
Antiochena mit eingelassenem Römerbrief des ‘Ignatius’ hatte
folgen lassen. Die verschiedenen Textschichten spiegeln christliche
Verhaltensnormen in Zeiten der Verfolgung (auch im Verhältnis zu den
Juden) und beleuchten die Entwicklung von Begriffen wie „großer
Sabbat“, „Martyrium“, „katholische Kirche“.
Les mer
Band 1: Editiones criticae. Mit armenisch-deutschem Text und englischer Übersetzung. Band 2: Textgeschichte und Rekonstruktion. Polykarp, Ignatius und der Redaktor Ps.-Pionius
Produktdetaljer
ISBN
9783110386097
Publisert
2015
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
Språk
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
Forfatter