Seit dem Spätmittelalter entstehen zunehmend differenzierte Theorien
der Meditation, denen eine zentrale und konfessionsübergreifende
Bedeutung für die Ästhetik des geistlichen Theaters im
deutschsprachigen Raum des 16. Jahrhunderts zukommt. Die Studie
rekonstruiert das Konzept der ‚Betrachtung‘ als Leitmodell für
die Rezeption geistlich geprägter Theaterformen. Sie erschließt in
materialnahen Untersuchungen den Einfluss meditativer Traditionen auf
theatrale Stoffe, Szenentypen und Figurenkonzeptionen sowie auf
Modelle der affektiven und imaginativen Wirkung. Im Zentrum steht eine
vergleichende Analyse von Dramen mit Todes-, Endzeit- und
Passionsthematik. Die Arbeit berücksichtigt vorreformatorische,
katholische, lutherische und reformierte Texte und revidiert mithilfe
bislang unausgewerteter Quellen das überkommene Bild einer
protestantischen Skepsis gegenüber dem geistlichen Spiel. Im Ergebnis
zeigt sich: Die Theatergeschichtsschreibung hat die Persistenzen
spätmittelalterlicher Frömmigkeit, die interkonfessionellen
Verflechtungen und die innerkonfessionellen Widersprüchlichkeiten in
den Dramentraditionen der Reformationszeit bislang unterschätzt.
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Meditative Theaterästhetiken im 16. Jahrhundert
Produktdetaljer
ISBN
9783110572728
Publisert
2019
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
Språk
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
Forfatter