Vorwort Als der Ost-West-Konflikt zu Ende ging, fackelte für kurze
Zeit eine intensive Diskussion auf, in der die Abschaffung der
Nachrichtendienste gefordert wurde, weil man diese in dem veränderten
internationalen Umfeld nun ja nicht mehr benötige. Sie seien wichtig
gewesen, um in den Jahrzehnten der nuklear unt- legten
Systemkonkurrenz Informationen über den Gegner bereitzustellen, vor
allem auch deshalb, weil das prekäre nukleare Gleichgewicht ganz
besondere Beobachtung des Gegenüber notwendig erscheinen ließ.
Literarisch wurde diese Konstellation vielfach beschrieben, wenn die
Agenten beider Seiten zur Gewä- leistung sicherer Informationslagen
für die Regierungen beider Supermächte und damit zur Sicherung des
internationalen Friedens kooperierten. Nun aber, in einer Phase der
anbrechenden internationalen Kooperation, die sogar vom Ende der
Geschichte geprägt sein sollte, seien die Dienste überflüssig. Es
kam anders, und zwar keineswegs überraschend. Denn mit dem Ende des
Ost-West-Konflikts waren Politik und Staatenkonkurrenz keineswegs an
ihr Ende gekommen. Und ganz im Gegensatz zu den damals gehegten
Erwartungen einer stabileren und kalkulierbareren Weltordnung war zu
beobachten, wie sich das Verhältnis von Wirtschaft und Politik
verkomplizierte und wie sich immer mehr gesellschaftliche Akteure in
der internationalen Politik nachdrücklicher bemerkbar machten. Dass
kurze Zeit später in einer scheinbar von einem Staat dominierten
Weltordnung asymmetrische Kampfformen wieder verstärkt auf- griffen
wurden, trug zur Gewalttätigkeit und Komplexität der sich nun ent-
ckelnden internationalen und transnationalen Ordnung wesentlich bei.
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Transformation, Kooperation und Kontrolle
Produktdetaljer
ISBN
9783531914916
Publisert
2018
Utgiver
Springer Nature
Språk
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
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