Der vorliegende Band umfasst etwa 100 Studien, Entwürfe und
Aufzeichnungen des Zeitraums 1674 bis 1676 zur Infinitesimalrechnung,
die mit wenigen Ausnahmen bisher unveröffentlicht waren. Dazu
gehören neben theoretischen Untersuchungen auch Exzerpte und
Anmerkungen zu Schriften von I. Barrow, J. Gregory, R. Descartes, G.
P. de Roberval u. a., Berichte und Erörterungen von Themen, die in
Gesprächen mit C. Huygens, I. Boulliau, J. Bertet, O. Rømer und E.
W. v. Tschirnhaus aufgeworfen wurden, außerdem gemeinsam mit
Tschirnhaus angefertigte Gesprächsnotizen. Die Erfindung der später
so genannten Differential- und Integralrechnung im Herbst 1675 gilt
als der Höhepunkt des mathematischen Schaffens von Leibniz in seinen
Pariser Jahren 1672-1676. Bereits 1673 hatte er den Zusammenhang
zwischen Quadraturen, Rektifikationen und umgekehrter Tangentenmethode
erkannt. Die von Huygens im Gespräch geäußerte Vermutung, Decartes
habe eine solche, von ihm geheim gehaltene, Methode besessen, ist wohl
der Grund dafür, dass sich Leibniz seit Sommer 1674 wieder verstärkt
mit den Tangentenmethoden von Descartes, J. Hudde und R.-F. de Sluse
auseinander setzt. Er versucht bis Januar 1675 erfolglos, das
Extremwertverfahren mittels Bestimmung von Doppelwurzeln einer
Gleichung für das inverse Tangentenproblem fruchtbar zu machen. Der
Durchbruch gelingt ihm jedoch im Herbst 1675 mit den schon vorher von
ihm praktizierten Differenzen- und Schwerpunktmethoden in einer Reihe
von Studien, in denen er bereits die noch heute verwendeten Symbole
entwirft und erste Regeln der Differential- und Integralrechnung
aufstellt. In der Folgezeit greift er eigene frühere Methoden
(charakteristisches Dreieck, Transmutation des Kurvensegments) wie
fremde Resultate (Guldinsche Sätze) auf, um allgemeinere Ergebnisse
zu erzielen. Leibniz' Hauptinteresse gilt neben einer umfassenden
Behandlung der Kegelschnitte (hier besonders der Rektifikation von
Hyperbel und Ellipse) den höheren Parabeln und Hyperbeln, den
Evoluten, Evolventen und Rollkurven, sowie den transzendenten Kurven,
mit denen er systematisch den Bereich der exakten Geometrie über die
von Descartes vorgegebenen Grenzen hinaus erweitert. Einen wichtigen
Beleg für die Leistungsfähigkeit seines neuen Ansatzes sieht er in
der Lösung des berühmten sogenannte 2. Debeauneschen Problems im
Juli 1676.
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Produktdetaljer
ISBN
9783050088334
Publisert
2015
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
Språk
Product language
Latin
Format
Product format
Digital bok
Forfatter