In einer flexiblen Gesellschaft verändert sich die Wahrnehmung des
rituellen Portfolios der Kirchen. Das kasuelle Feld weitet sich und
differenziert sich aus, u.a. durch kirchliche Kasualagenturen. Die
religionskulturellen Verwerfungen wirken sich nicht nur auf die vier
klassischen Kasualien Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung aus,
daneben etablieren sich auch neue Kasualien, wie z.B.
Schulanfängergottesdienste, riskante Liturgien und Benediktionen.
Darüber hinaus unterliegen die Sonntagsgottesdienste einer
Kasualisierungsdynamik. Diese Differenzierungsprozesse erfordern einen
integralen Theoriezugriff und einen weiten Kasualbegriff. In diesem
Band werden Kasualien als „Angelegenheiten“ definiert.
Angelegenheiten fordern in der Regel routinierte Instanzen, die sich
ihrer annehmen. Diese Perspektive nötigt zu Umcodierungen und zur
Relativierung bestimmter Denkgewohnheiten. So sind Kasualien weder
durch einen „Übergang“ noch durch den Segen hinreichend
charakterisiert. Das Geheimnis der Kasualien ist Erinnerung – der
Segen ist lediglich das zentrale Medium, das das Erinnern heiligt.
Dies ist die Generalthese dieser Kasualtheorie. Kasualien segnen das
Zeitliche, indem sie das Hier und Jetzt synchronisieren mit den ewigen
Verheißungen des Alten und Neuen Bundes. Sie rufen diese
Gleichzeitigkeit heilsam in Erinnerung und vergegenwärtigen sie in
Rede und Ritus.
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Angelegenheiten gelebter Kirchlichkeit
Produktdetaljer
ISBN
9783112204948
Publisert
2025
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
Språk
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
Forfatter