Ausgehend von Mika Bals Theorie der narrativen Fokalisierung, die den
Akzent auf die Selektion und Kombination des Blickwinkels aus einem
ganzen Spektrum perspektivischer Möglichkeiten legt, befaßt sich
diese Untersuchung erneut mit dem Problem der erzählerischen
Perspektive im zweiten Großwerk Wolframs von Eschenbach. Die
Schwerpunkte der Analyse, Erzähler und Figur, werden in zwei großen
Schritten untersucht, die sich um eine Präzisierung der Perspektiven
bemühen, und die beide Instanzen in dynamischer Interaktion
miteinander auf den Text projizieren. Dabei werden die Konturen und
das Aussagepotential der jeweiligen Perspektive vor dem Hintergrund
der zeitgenössischen Literaturpraxis ermessen, zum Beispiel
Möglichkeiten der Charakterisierung in der volkssprachlichen
Literatur sowie die Entstehung erzählerischer Subjektivität in
(u.a.) Fiktionalitätsdiskursen. Zwei Hauptthesen werden aufgestellt:
zum einen, daß Wolfram wie kein anderer Dichter der deutschen
Blütezeit, mehrdimensionale Charaktere zu konstruieren wußte; zum
anderen, daß die Stimme dieser Figuren, wie die des ihnen durchaus
gewachsenen Erzählers, zur Dynamik eines Textes beiträgt, der über
einen für die damalige volkssprachliche Literatur völlig neuen
Sinngebungsprozeß verfügt. In einem Schlußwort fließen die aus
beiden Großkapiteln gewonnenen Einsichten zu einer globalen
Charakterisierung des Werkes zusammen, die ihre Distanz oder Nähe zu
den wichtigsten Strömungen der »Willehalm«-Forschung zeigt.
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Figuren, Erzähler, Sinngebungsprozeß
Produktdetaljer
ISBN
9783110911589
Publisert
2015
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
Språk
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
Forfatter