Rudolf Eucken (1846-1926) war Philosophieprofessor in Jena, der einen
lebensphilosophisch angehauchten Neoidealismus vertrat und dessen
Schriften im gebildeten Bürgertum breite Resonanz fanden. 1908
erhielt er den Nobelpreis für Literatur und galt seitdem als einer
der renommiertesten deutschen Intellektuellen mit internationaler
Ausstrahlungskraft. Eucken sammelte in den Jahren vor 1914 einen Kreis
von Anhängern und Gleichgesinnten um sich, der sich als
geistig-moralische - "kulturkritische" - Sammlungsbewegung verstand.
Während des Ersten Weltkriegs trat Rudolf Eucken als unermüdlicher
Propagandist der deutschen Sache im Inland wie im neutralen Ausland
auf. Nach dem Krieg gab sich die von ihm ins Leben gerufene Bewegung
mit der Gründung des "Euckenbunds" eine feste organisatorische
Gestalt mit 20-25 Ortsgruppen und mehr als 1000 Mitgliedern (darunter
auch Gustav Stresemann). Der Euckenbund und die vierteljährlich
erscheinende Zeitschrift des Bundes ("Die Tatwelt") existierten auch
nach dem Tod Rudolf Euckens 1926 weiter. Seit 1928 betrieben die Witwe
des Philosophen, Irene Eucken, und ihre Tochter Ida zudem ein
"Rudolf-Eucken-Haus" als internationale Begegnungsstätte der
Universität Jena. Auch der Sohn Euckens, der heute viel bekanntere
Nationalökonom Walter Eucken, war zeitweise in der "Eucken-Bewegung"
stark engagiert. Euckenbund, Euckenhaus und "Die Tatwelt" bestanden
auch nach 1933 weiter und betätigten sich, subventioniert vom
Auswärtigen Amt, in der deutschen Kulturpropaganda, ohne sich aber
vom Regime im Sinne der NS-Ideologie „gleichschalten" zu lassen. Im
Jenaer Rudolf-Eucken-Haus fanden seit Mitte der 1930er Jahren
philosophisch-wissenschaftliche Tagungen statt, an der eine ganze
Reihe bekannter Geistes- und Naturwissenschaftler teilnahmen (u. a.
Helmut Schelsky, Carl-Friedrich von Weizsäcker, Gotthard Günther,
Pascual Jordan, Gerhard Ritter, Walter Eucken). Erst nach dem Tod
Irene und Ida Euckens 1941/43 löste sich der Euckenbund auf.
Die Studie verfolgt den Werdegang Rudolf Euckens, setzt sich mit
seiner Philosophie und Weltanschauung auseinander und zeigt die
programmatische und organisatorische Entwicklung der
„Eucken-Bewegung" und deren Aktivitäten auf. Allgemein beschäftigt
sich die Arbeit mit den geistigen und politischen Befindlichkeiten des
kulturkritisch gesinnten liberal-konservativen Bildungsbürgertums
zwischen dem wilhelminischen Kaiserreich, der Weimarer Republik und
dem Nationalsozialismus.
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Kulturkritischer Aktivismus im Umkreis Rudolf Euckens 1890–1945
Produktdetaljer
ISBN
9783110687125
Publisert
2020
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
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Tysk
Format
Product format
Digital bok
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