Lange Zeit galt Schrift als aufgeschriebene mündliche Sprache. Doch
was geschieht, wenn eine mathematische Gleichung gelöst und Musik mit
Noten komponiert wird, wenn ein Autor an seinem Text feilt, die
Konkrete Poesie ein Schriftspiel entfaltet, der genetische Code als
Buchstabenfolge sequenziert wird, der Kabbalist Buchstaben permutiert
oder der Informatiker ein Computerprogramm schreibt? Schriften sind
mehr als Aufschreibsysteme für Gesprochenes; stets bergen sie
lautsprachenneutrale Aspekte. Der Begriff "Schriftbildlichkeit" zielt
auf einen Perspektivenwechsel: die Überwindung eines phonographisch
reduzierten und eurozentrisch verengten Schriftkonzeptes. Jenseits der
Dichotomie von Sprache und Bild vereinigen sich in Schriften
diskursive und ikonische Merkmale – und das gilt für alphabetische
wie nichtalphabetische Schriften. Schriften eröffnen
Experimentierräume der kognitiven wie der ästhetischen Erfahrung. In
den Beiträgen dieses programmatischen Eröffnungsbandes der neuen
Buchreihe "Schriftbildlichkeit" werden explorative und kreative
Leistungen von Schriften im Wechselverhältnis ihrer Sichtbarkeit und
Handhabbarkeit in wissenschaftlichen und künstlerischen, in
alltäglichen, spielerischen und religiösen Schriftpraktiken zutage
gefördert.
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Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen
Produktdetaljer
ISBN
9783050057811
Publisert
2015
Utgave
1. utgave
Utgiver
De Gruyter
Språk
Product language
Tysk
Format
Product format
Digital bok
Forfatter